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Ev. luth. Kirchengemeinde Langenholtensen
Kreis Northeim - Südniedersachsen



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Über den Wolken
Predigt von Luitgardis Parasie an Himmelfahrt 2017 über Kolosser 3, 1-2 auf der Northeimer Wilhelmswiese
Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Es ist schon irre, vom Frankfurter Flughafen in die Welt zu fliegen. Ich bin eine von bis zu 200 000 Passagieren täglich, die einchecken, die Sicherheitskontrollen durchlaufen, am Gate warten und dann eine Maschine betreten.

100 Flugzeuge starten und landen hier pro Stunde, also mehr als eins pro Minute. Im Tower sitzt der Lotse, der den Überblick hat. Die Maschine rollt zur Startbahn, beschleunigt. Ich spüre die Power der Motoren, sie drückt mich in den Sitz, die Räder des tonnenschweren Vogels lösen sich von der Erde, und schon liegt die Stadt unter mir, die A5, der Main. Doch bald sehe ich nichts mehr, Wolken verschlucken das Flugzeug, es wackelt. Irgendwann kommen wir über den Wolken an, 11 000 m Reisflughöhe, die Sonne scheint. Geschafft. Wir sind oben am Himmel. Der Bordservice beginnt, jetzt ist es Zeit für einen Sekt. Meine Flugangst verflüchtigt sich.

Eine Wahnsinns-Logistik steckt hinter diesem riesigen Flughafen, dem drittgrößten Europas, einem der zentralen Drehkreuze für Flüge nach Asien, Afrika, Amerika. Bei 1343 Starts und Landungen pro Tag muss es doch ein enormes Fehlerpotenzial geben – und trotzdem passiert kaum etwas. Weil es genaue Regeln gibt, an die sich alle halten müssen, auf der Erde und in der Luft. Und weil Lotsen den Flugverkehr steuern. Die kritischsten Momente sind Start und Landung. Da verlassen sich die Piloten ganz auf die Lotsen. Die haben den Überblick, wann sich welcher Flieger wo befindet, ob er direkt landen darf oder noch eine Warteschleife ziehen muss. Und in welchem Abstand und in welcher Reihenfolge die Flieger starten. Ist die Reiseflughöhe erreicht, stellen die Piloten meist den Autopiloten an. Sie haben ihre Instrumente im Blick, aber sie steuern nicht selber. Der Autopilot unterliegt natürlich ebenfalls den Regeln im Flugverkehr und ist komplett darauf eingestellt.

Mich fasziniert das jedes Mal aufs neue, diese ausgefeilte Logistik am Flughafen. Wenn das da schon so ist - was für eine Logistik steckt erst hinter dem, der Himmel und Erde regiert. Der die Welt in Händen hält. Der alles großartig geschaffen hat, dich, mich, die blühenden Bäume, die Sonne. Sind Sie schon mal bei klarer Sicht über die Alpen geflogen? Das ist der Wahnsinn. Auf diese schneebedeckten Riesen zu gucken, die im Sonnenschein da liegen. Das ist einfach gewaltig. - Das Fehlerpotenzial, was unsere Welt angeht, ist jedoch riesig. Denn, anders als beim Flughafen, halten sich Viele überhaupt nicht an die Regeln. Auch ihr Autopilot ist nicht auf Gottes Gebote programmiert. Darum gibt es so viele Crashs, Kriege, Terror, Mord- und Totschlag. Und nur weil Gott ein genialer Lotse ist, und weil er nicht unseren Untergang will, darum ist diese Welt noch nicht komplett abgestürzt.

Sie denken jetzt bestimmt: Warum erzählt sie uns das alles? Der Himmel, an dem die Flugzeuge fliegen, ist doch nicht der Himmel, in den Jesus gegangen ist. Nein, ist er nicht. Dieser Himmel über uns, das Weltall, in dem die Astronauten unterwegs sind, das gehört zu unserer sichtbaren Welt. Gottes Himmel aber ist die unsichtbare Welt. Im Englischen gibt es dafür 2 Begriffe: Heaven und Sky. Sky ist das Weltall, der Himmel mit Sonne und Wolken. Heaven ist der die unsichtbare Welt Gottes. Jesus ist an Himmelfahrt nichts ins Weltall geflogen, sondern er ist in die unsichtbare Welt Gottes gegangen. Die aber umgibt uns überall, sie ist nicht nur oben. Von allen Seiten umgibst du mich, hat der Dichter von Psalm 139 erkannt. Himmel ist da, wo Gott ist.


Heaven und sky, zwei verschiedene Bereiche also. Und doch wird unser sichtbarer Himmel auch in der Bibel als Bild genommen. Im Kolosserbrief heißt es:
Suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

Was droben ist. Gottes Himmel ist nicht oben, aber oben gibt uns Bilder für Gottes Himmel. Oben sind oft die besseren Wohngebiete. Von oben hat man einen genialen Blick. Oben wird vieles nichtig und klein. Und von dem, was oben am sichtbaren Himmel passiert, kann man einiges lernen:

1. Am Himmel, im Flugverkehr, braucht man Regeln. Die brauchen wir auch. Unser Miteinander funktioniert nicht, wenn jeder seine eigenen Regeln aufstellt und macht, was ihm gefällt. Gott hat uns seine Gebote gegeben, damit wir nicht abstürzen. Genau wie beim Fliegen: Die vielen Regeln dienen ja nicht dazu die Piloten zu ärgern, sondern sie und die Passagiere zu schützen. Gottes Gebote sind viel unkomplizierter. Und sie lassen sich im Grunde in einem einzigen zusammenfassen: Liebe Gott, und deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn du das kapiert hast, kannst du auf Autopilot schalten, du musst nicht 150 kleinteilige Vorschriften befolgen. Du hast in diesem Rahmen ganz viel Freiheit. Du brauchst nur dies eine im Blick zu haben. Jesus sagt, es ist das Wichtigste: Liebe Gott, und deinen Nächsten wie dich selbst.

2.Du brauchst einen Lotsen. Du brauchst einen, der einen größeren Überblick hat, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Du brauchst einen, der dir hilft, wenn du auf Handsteuerung umschaltest, wenn du durch dichten Nebel fliegst und keine Sicht hast. Die Piloten stehen in ständiger Funkverbindung mit dem Lotsen. Wie steht es um deine Verbindung mit Gott?

Ich las gerade das Buch von Hanns Josef Ortheil: Das Kind, das nicht fragte. Hanns Josef Ortheil ist Dozent für Literatur und Schriftsteller. Für seine Bücher bekam er jede Menge Literaturpreise. Das Kind, das nicht fragte, ist der jüngste von vier Brüdern. Er kam in seiner Familie nie zu Wort. Eines Tages geht er zum Priester zur Beichte. Und es entspinnt sich ein einfühlsames Gespräch darüber, wie man mit Gott in Kontakt kommt. Der Priester ermutigt den Jungen Gott all seine Fragen zu stellen. Also legt der Junge los:

- Lieber Gott, warum spiele ich nicht so gerne Fußball wie die anderen Jungen, sondern laufe lieber lange Strecken?
- Lieber Gott, warum schmeckt mir das Mittagessen nie so wie meinen Brüdern, denen das Mittagessen fast immer schmeckt?
- Lieber Gott, hörst Du mir auch gut zu, wenn ich bete, und verstehst Du meine Gebete, oder bete ich zu durcheinander?
Ich sprach nicht mehr weiter, ich bewegte mich nicht- denn es war plötzlich so wunderbar still. Noch niemals in meinem Leben hatte ich eine derartige Stille erlebt, es war, als trieben der Priester und ich mitsamt dem Beichtstuhl in einer Kapsel im Ozean, die langsam in die Tiefe abtauchte. Da hörte ich eine Stimme, die mir die Stimme des Herrn Jesus zu sein schien. Es war eine Stimme, die ich in einem Film mit dem Priester Don Camillo gehört hatte. Wenn Don Camillo sich sehr über die Menschen aufregte oder sich sonst irgendwie ärgerte, eilte er immer in die Kirche, um dem Herrn Iesus am Kreuz von seinem Ärger zu erzählen. Das Seltsame aber war, dass ihm der Herr Jesus am Kreuz wahrhaftig geantwortet hatte, ja, er hatte ihm mit ruhiger und sanfter Stimme auf all seine Schimpfereien immer wieder geantwortet.

Wenn der Herr Jesus so sprach, erledigte sich der Ärger Don Camillos von selbst. Er stammelte noch ein paar Widerworte, er grunzte und grummelte vor sich hin, dann aber musste er über seinen Ärger selbst lachen und trottete wieder hinaus aus der Kirche.

Und nun hörte ich genau diese Stimme! - Du kennst die Antworten längst. Du brauchst sie bloß laut und deutlich zu wiederholen.
- Ich kenne die Antworten? Aber was sind die Antworten?
- Lieber Gott, warum laufe ich lieber statt Fußball zu spielen? Das war Deine Frage. Und was antwortet Gott?
- Was er antwortet? Moment   - er antwortet, dass ich kein Mannschaftssportler, sondern ein Einzelkämpfer bin, und dass das daher kommt, weil meine Brüder nie mit mir gespielt haben, sondern mich immer allein haben spielen lassen.
- Richtig. Und was antwortet Gott auf die Frage, warum Deinen Brüdern die Mittagessen Eurer Familie besser schmecken als Dir?
- Moment   - er antwortet, dass die Mittagessen meinen Brüdern besser schmecken, weil Mutter für meine Brüder; nicht aber für mich kocht.
- Richtig. Und was antwortet Gott auf die Frage, ob er Dir beim Beten gut zuhört und ob Du gut und verständlich betest?
- Na, das ist doch klar; er antwortet, dass er mir sehr genau zuhört, so wie jetzt gerade, als er sich meine Fragen genau angehört hat.
- Dann wären Deine Fragen also beantwortet?
- Ja, meine Fragen sind jetzt beantwortet. Aber was mache ich, wenn ich wieder etwas fragen möchte? Soll ich dann wieder zur Beichte gehen?
- Das kannst Du machen, aber es ist nicht unbedingt nötig. Du weißt ja jetzt, wie es geht: Du stellst Gott Deine Fragen, dann wartest Du eine Weile, bis er sich die Antworten überlegt hat, und dann hörst Du zu, was er antwortet und wiederholst es laut. Es ist ganz einfach.


So weit Hanns Josef Ortheil in seinem Buch. Ich finde, er hat wunderbar
beschrieben, wie so ein Gespräch mit Gott ablaufen kann. Stell ihm deine Fragen,
und du findest Antworten, die oft eigentlich naheliegend sind. Aber von alleine
kommst du nicht drauf. Du brauchst einen Lotsen. Er leitet dich behutsam und
nicht mit dem Holzhammer. Wenn du mit ihm redest, sprichst du mit einem
weisen Freund. Solche Gespräche funktionieren am besten, wenn der andere
selber zu Einsichten kommt, ihm die Lösungen wie von selbst einfallen.
Na ja, wir sagen mit Hilfe des heiligen Geistes, der kommt ja dann Pfingsten. Sag
Gott deinen Ärger und deine ungelösten Probleme. Gott hört dir zu und hilft dir
Antworten zu finden. Dein Ärger wird sich verflüchtigen, oder du bekommst eine
andere Perspektive. Denn der Lotse tut nichts gegen dich, aber alles für dich. Und
er führt dich dahin, dass du am Ende im Himmel ankommst. Im Heaven, bei
Gott.

Heaven is a wonderful place,
filled with glory and grace,
I want to see my saviour´s face.
Heaven is a wonderful place.

Der Himmel ist ein herrlicher Ort
Voller Schönheit und Gnade.
Ich werde meinen Erlöser sehen.
Der Himmel ist ein herrlicher Ort.

Und, Reinhard Mey hat recht, auch deine Sorgen werden da keine Rolle mehr spielen. Alles, was dir hier wichtig erscheint, wird da nichtig und klein. Gott wird groß sein, er wird alles sein, und du in seinen Armen. Amen