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Ev. luth. Kirchengemeinde Langenholtensen
Kreis Northeim - Südniedersachsen



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Panne bei der Hochzeit
Predigt von Superintendent Jan von Lingen am 5.8.2018 beim Gottesdienst zur Sommerkirche der Region Northeim und zum Abschluss der Kinderbibelwoche in Langenholtensen

Hochzeit zu Kana / Johannes, Kap 2

I
Liebe Gemeinde.

Vor einigen Tagen erreicht mich und meine Familie ein Brief. Beim Öffnen war gleich klar, worum es ging. Er war mit festlicher Schrift gestaltet, zwei Ringe und ein Datum waren zu sehen. Eine Einladung zu einer Hochzeit, einer kirchlichen Trauung. Das Besondere: Der Text war zweisprachig, links deutsch, rechts Französisch. Meine Nichte heiratet einen Franzosen – in Frankreich! – aufregend. Und sie lädt ein. Nicht nur unsere Familie, sondern auch meine vielen Geschwister mit Kind und Kegel.
Klar! Wir machen uns auf den Weg nach Südfrankreich – und wir haben schon gesagt: Bei der Begrüßung werden wir den Eltern des Bräutigams in die Arme fallen und sagen: Wir sind ab jetzt eure neuen Verwandten! Und wir bleiben zwei Wochen! Und wir kommen jedes Jahr wieder. Irgendwer will das filmen.
Erschwerend kommt hinzu: Wir sind eine große Familie. Wir sind wirklich viele. Und nur die wenigsten von uns können Französisch. Mal sehen. Also, ich bin schon gespannt, wie das sein wird, auch mit dem französischen, katholischen Priester gemeinsam eine zweisprachige Trauung durchzuführen. Hochzeiten. Sie wissen das alle: Hochzeiten stecken voller Überraschungen. Zwei Menschen geben einander das Ja-Wort. Da beginnt jetzt etwas ganz Neues. Zwei Familien, von denen sich viele das erste Mal begegnen. Hält der Brautvater eine Rede? Werden Freunde etwas vorbereiten, ein Anspiel, eine Szene? Werden Bilder auf Leinwand zu sein? Schmeckt das Essen? Tanzen alle gut? Hoffentlich scheint die Sonne, wenn das Brautpaar aus der Kirche kommt. Und hoffentlich vertragen sich die, die sonst eher über Kreuz liegen.

Der oft als schönste Tag im Leben bezeichnete Tag will gut vorbereitet sein. Die Ansprüche sind hoch! Mancher Pastor, manche Pastorin kann davon ein Lied singen und erzählen von Hunden, die in der Kirche die Ringe bringen sollen und Solisten aus demn Freundes-oder Familienkreis, die mehr oder weniger professionell und entsprechend aufgeregt auftreten. Blumenschmuck im Kirchraum, durch die Mutter der Braut, auch so ein Thema - und und und – es soll ja aber auch alles schön sein und gelingen.

Erwartungen. Die werden im Vorfeld zusätzlich hochgeschraubt durch Fernsehsendungen wie „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ --- vier Hochzeiten werden gefilmt und mit Punkten bewertet. Ob Einladung, Ambiente, Brautkleid, Essen, der erste Tanz – die Brautpaare treten gegeneinander an und nur eines gewinnt die Reise in dieser Hochzeitsdoku. Da bin ich froh, dass unsere eher schlichte Hochzeit bald 25 Jahre hinter mir liegt.

II

Und dann dieser Hochzeitsbericht aus der Bibel! Wir haben schon gehört und etwas gesehen. Wie hätte wohl unser Brautpaar auf der Hochzeit zu Kana abgeschnitten bei jener „Hochzeitssendung“? Welche Wertung hätte es für die Bewirtung gegeben? Denn der Wein reicht nicht, irgendwann bleiben die Becher leer.

Stellen wir uns Gäste vor, die wir vom Hörensagen recht gut kennen: Jesus und seine Jünger sind zur Hochzeit geladen. Besonders schick werden die nicht gekleidet gewesen sein – Punktwertung? Na ja. Mit dabei auch Maria, die Mutter von Jesus. Sie feiern mit einem Paar in Kana, man weiß heute nicht mehr genau, wo das ist, auch wenn man in Israel sogar eine Hochzeitskirche findet, die daran erinnert.

Stellen wir uns die Szene vor. Heiß genug ist es heute ja. Wir stehen draußen vor dem Haus, hören Stimmengewirr und Festmusik. Ich glaube, es ist ein großes Haus, denn viele Menschen sind eingeladen, allein Jesus und seine Mutter sowie die Jünger sind ja schon eine ordentliche Festgesellschaft. Rücken wir miteinander etwas vor, wir können uns da hinter diesen großen Krügen verstecken, da sieht uns keiner.

Und wir sehen: Mitten in der Hochstimmung – Aufregung! Ein Diener bemerkt etwas, tuschelt es dem anderen zu: Die Wein geht zur Neige, der letzte Tropfen ist irgendwann ausgeschenkt. Kurze Abstimmung – und wir werden Zeugen des Disputs. Maria geht zu Jesus, sie sagt: Sie haben keinen Wein mehr. Mütterlicher Tipp! Übersetzt heißt das wohl so viel wie: Vielleicht kannst Du helfen?

Seltsam, die harsche Reaktion, die im Johannesevangelium überliefert ist: Jesus sagt: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Noch nicht? --- Wir, die wir Zeuge dieser Szene sind, wissen mehr als die anderen. Wir kennen die Geschichte Jesus, aber im Johannesevangelium steht diese Geschichte ganz am Anfang – im Kapitel 2. Und das heißt: Über allem liegt noch ein Geheimnis. Niemand nennt Jesus einen „guten Hirten“ oder hält ihn gar für den Erlöser oder sieht in ihm das Licht der Welt. Das Geheimnis um Jesus darf noch nicht gelüftet werden. Er ist ein schlichter Gast auf einer Hochzeit.

Doch bekanntlich sind Mütter oft klüger als ihre Söhne, denn Maria gibt den Dienern den Tipp: Was er euch sagt, das tut. Dann zieht sie sich zurück. Sie verschwindet aus unserem Blickfeld. Da sind wir also heimliche Gäste auf jener Hochzeit ohne Wein, versteckt hinter sechs steinernen Wasserkrügen. Da blickt Jesus in unsere Richtung und spricht zu den Dienern: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Wir rücken zur Seite, plötzlich stehen wir da – aber wir fallen nicht weiter auf, zu irgendeiner der beiden Familien werden wir schon gehören. Und dann hören und sehen wir Wasser in die steinernen Krüge plätschern. Die Diener füllen sie bis obenan.

Vielleicht staunen wir über die Größe der Krüge, sechs große Krüge, wer sie sich leisten kann, ist reich. Sie stehen da für die Reinigung nach jüdischer Sitte. Übrigens werden sie heute noch von Archäologen ausgegraben, und zwar immer dort, wo Juden lebten. Meist aus Kalkstein gefertigt Aber was hilft Wasser bei einer Hochzeit ohne Wein? Und dann so wird erzählt:

Und Jesus spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

III
Liebe Gemeinde, wir lesen diese Geschichte im Johannesevangelium vom Ende her, wissen von Jesus und seinem Weg unter den Menschen. Aber bei der Hochzeit in Kana ist Jesus ja nur ein schlichter Lehrer mit seinen Jüngern.
Jesus hat noch niemanden geheilt, noch kein Wunder vollbracht, lediglich gesprochen, Menschen, um sich versammelt. Keiner der Hochzeitsgäste kann wie die Leser des Evangeliums von der besonderen Aufgabe Jesu als guter Hirt, als Tröster, als Brot des Lebens gewusst haben. Ausgerechnet bei einer Hochzeitsparty lüftet er sein Geheimnis?

Das finde ich erstaunlich. Die Hochzeit der beiden jungen Leute ist ja eine ganz weltliche Angelegenheit. Sie feiern, trinken, essen. Hier fragt niemand nach Gottesbeweisen oder gar Jungfrauengeburt. Das Wunder wurde nicht einmal als solches verstanden, dankt doch der Speisemeister nicht Jesus, sondern dem Bräutigam für seine vorausschauende Planung. Ein Missverständnis. Ja, wir dürfen darüber staunen und schmunzeln, vielleicht sogar lachen. Auf jeden Fall dürfen wir uns darüber freuen.

Der Evangelist Johannes erzählt die Geschichte der Hochzeit übrigens nicht als erstes „Wunder“ Jesu. Im griechischen Originaltext des Johannesevangeliums steht nicht das Wort „Wunder“, sondern das Wort für „Zeichen“. Der Wein ist ein Zeichen für etwas, das Zeichen verweist auf jemanden, auf Christus. Und Johannes sagt noch viel mehr: Der Wein spielt in die Bibel eine wichtige Rolle – er ist ja so etwas wie ein Symbol der Lebensfreude, war aber auch lebenswichtig, weil es nicht überall sauberes Trinkwasser gab. Bei großen jüdischen Festen wie auch bei der Trauung gehört ein guter Wein einfach dazu. Man dankte Gott für die Gabe des Weins.
Erstaunlich, dass das erste Zeichen Jesu mit diesem festlichen Getränk verbunden ist.

Übrigens werden im Johannesevangelium noch sechs weitere Wundertaten erzählt – also sieben insgesamt. Eine heilige Zahl. Beginnend beim Weinwunder in Kana auf dem Hochzeitsfest. Das letzte Wunder ist die Auferweckung des Lazarus im dunklen Grab. Jesus begleitet Menschen auf ihrem Lebensweg zwischen den höchsten Familienfesten der Liebe und den tiefsten Abgründen des Todes.

Viel wichtiger als diese Zeichen sind dem Evangelisten aber die Worte Jesu: Nur im Johannesevangelium lesen wir die berühmten „Ich bin-Worte“ von Jesus. Ich bin „das Brot des Lebens“, „das Licht der Welt“, „die Tür“, „der gute Hirte“, „die Auferstehung und das Leben“ „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ und der „wahre Weinstock“.

Das Johannesevangelium zeigt uns Symbole und Ereignisse, die Menschen aus ihrem alltäglichen Leben kennen – und die plötzlich aufleuchten im Licht Gottes, ja eine ganz neue Bedeutung bekommen. Man könnte sagen: Gott wohnt nur eine Tür weiter. Weinstock und Schafhirte werden zu himmlischen Bildern. Und selbstverständlich ist Gott auch von einem Fest nicht weit entfernt und legt seinen Segen darauf.

Gotteserfahrung im Alltag: Das Unerhörteste dieser Geschichte liegt doch besonders daran, dass dieses Wunder keinen Tempel braucht, keinen auserwählten Priester, kein Fastenritus und kein kirchliches Hochfest, ja nicht mal ein Gebet und einen gesungenen Psalm. Mitten im Alltag zwischen tanzenden Menschen und spielenden Kindern bricht sich Gottes große Freude Bahn auf überraschende Weise.

Und in was für einer Fülle! Rechnen wir dieses Wunder einfach mal durch. Wir sehen diese steinernen Wasserkrüge dort stehen - sechs Krüge mit jeweils zwei oder drei "Maßen". Umgerechnet in Liter kämen wir auf rund sechshundert Liter Wein. 600 Liter! So eine Menge würde ein Hochzeitsplaner für – na, vielleicht achthundert Gäste kalkulieren. So lang war die Einladungsliste damals sicher nicht… - Warum diese überbordende Menge?

Übertreibung? Tja, vielleicht auch ein Zeichen auf und ein Symbol für die überbordende Fülle der Liebe Gottes. Einer der frühen Ausleger dieser Geschichte hat gesagt: Die Hochzeitsgesellschaft, das sind doch wir Christen. Die Gemeinde. Und der Wein, den Jesus wandelt, reicht für uns alle. Es ist Gottes Geist. Wir sind eingeladen, Du und ich auf Gottes großes Fest.

Da stehen wir also - nun nicht länger sogenannte „Hochzeits-Crasher“, sondern geladene Gäste. Unser Herz darf leichter werden zwischen sechs steinerne Krügen und vielen feiernden Menschen. Wir hören Musik zum Tanzen und fröhliches Lachen – und sehen einen völlig überraschten Bräutigam. Zu ihm sagt der Speisemeister: Du hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten! Der Bräutigam weiß darauf keine Antwort, nichts ist überliefert. Vielleicht weil es ihn sprachlos macht. Aber er wird glücklich gewesen sein - und dankbar! Vielleicht geht es uns ja auch so, auf Gottes großem Fest, zu dem er uns einlädt.
IV
Das Fest geht weiter, liebe Gemeinde, wenn Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.
In Christus bleiben – wie Gast auf einem Fest sein. Er spricht die Einladung aus: „Bleibt in meiner Liebe!" Die Türen stehen offen, Musik erklingt, Lachen und Stimmen umschließen uns. Treten wir ein. Mischen wir uns unter die Gäste.  
AMEN