Den Schatz entdecken

Predigt von Georg Grobe über Matthäus 13,44-46 am 25.02.2018 in Langenholtensen

Ich selber habe in meiner Kindheit wenig vom christlichen Glauben mitbekommen. Später habe ich in einem Jugendkreis andere Teenager kennengelernt, die für sich den Glauben entdeckt hatten. Da habe ich gedacht: Entweder das Ganze ist eine riesengroße Illusion, oder aber, wenn es stimmt, dann ist alles andere im Leben nicht so  wichtig.

Mit dem Gottesdienst heute schließen wir unseren Glaubenskurs ab. An den drei Seminarabenden hat uns ein Bild geholfen, uns das große Ganze vorzustellen. Es geht bei den drei Abschnitten im Glaubensbekenntnis, im Bild gesprochen, um drei große Räume. Im ersten geht es um den Glauben an Gott, im zweiten um den Glauben an Jesus und im dritten um den Glauben an den Heiligen Geist.
Wir haben in unseren Gesprächen eine Ahnung davon bekommen, dass es in den einzelnen Räumen noch viel mehr zu entdecken gibt, als wir an einem Seminarabend besprechen konnten. Das gilt besonders für den dritten Raum, also für das Thema „Heiliger Geist“. Da gab es viel Neues, für manche von uns auch Fremdes zu entdecken.
Heute, am Ende des Kurses möchte ich noch einmal auf den Kern, also das Wesentliche beim christlichen Glauben zu sprechen kommen. Ich möchte mit Ihnen zusammen fragen: Wie geht das ganz konkret mit dem Glauben?

Dazu lese ich uns jetzt ein Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Manches beim Glauben ist nicht ganz leicht zu verstehen. Aber das Wesentliche ist eigentlich ganz einfach. Darum hat Jesus Gleichnisse erzählt. Darin hat er alltägliche Beispiele gebraucht und daran deutlich gemacht, wie es sich mit dem Glauben verhält. Und die Menschen, die ihm zugehört haben, haben gedacht: Ach so einfach ist das mit dem Glauben

Hier also das Gleichnis: „Jesus sagt: Das Himmelreich gleicht einem Schatz, (das bedeutet: mit dem Glauben ist es wie mit einem Schatz) verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, (das bedeutet: mit dem Glauben ist es wie mit einer kostbaren Perle) 46 und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“

Drei Fragen möchte ich dazu mit ihnen nachgehen.

1. Wie entdeckt man den Schatz?
Im Gleichnis beschreibt Jesus zwei verschiedene Wege, auf denen Menschen den Schatz des Glaubens entdecken. Wir sind ja als Menschen sehr unterschiedlich. Daher gibt es sicher noch andere Wege, wie man dem Glauben auf die Spur kommt.
Jesus sagt zuerst: „Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand.“ Das ist also jemand, der zufällig auf den Glauben aufmerksam wird. Der Bauer oder Landarbeiter im Gleichnis sucht gar nichts. Er findet den Schatz einfach. So gibt es auch heute Menschen, die nicht nach Gott fragen. Aber irgendwann merken sie, wie faszinierend das mit dem Glauben ist. Das ist in gewisser Weise typisch für Europäer, die mit ihrem Leben zufrieden sind und aus sich heraus gar nicht nach dem Glauben fragen. Aber irgendwann merken sie: Da ist etwas ganz Wichtiges.

Den anderen Weg zum Glauben beschreibt Jesus mit den Worten: „Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte …“ Der Kaufmann sucht gezielt nach kostbaren Perlen. Genauso suchen viele Menschen auch heute nach Lebenserfüllung. Sie sehnen sich nach Glück mit einem Traumpartner, versprechen sich Anerkennung durch Erfolge im Beruf, möchten irgendwann ihr Traumhaus bauen oder eine Weltreise machen. Für die meisten Menschen in afrikanischen oder asiatischen Ländern ist dabei die Spiritualität sehr wichtig. Für sie gehört es zu einem glücklichen Leben, eine kraftvolle Verbindung zu Gott zu haben.

Aber eins ist bei beiden „Typen“ gleich. Sie sind fasziniert von dem Schatz, den sie gefunden haben. Das heißt, mit dem Glauben ist es so faszinierend, dass man dafür alles andere liegen und stehen lässt. Ich selber habe in meiner Kindheit wenig vom christlichen Glauben mitbekommen. Später habe ich in einem Jugendkreis andere Teenager kennengelernt, die für sich den Glauben entdeckt hatten. Da habe ich gedacht: Entweder das Ganze ist eine riesengroße Illusion, oder aber, wenn es stimmt, dann ist alles andere im Leben nicht so  wichtig.

2. Was ist eigentlich der Schatz?
Jesus spricht im Gleichnis von „einem Schatz, verborgen im Acker … und von einem
… Kaufmann der gute Perlen suchte, 46 und als er eine kostbare Perle fand …“
Der Schatz, um den es beim christlichen Glauben geht, wird im Glaubensbekenntnis beschrieben. Das, was im Glaubensbekenntnis genannt wird, ist eigentlich ungeheuer kostbar. Es beschreibt den Schatz des Glaubens. Aber es ist für viele zur Routine verkommen, vielleicht weil es zu selbstverständlich Gottesdienst gesprochen wird. Es könnte eine gute Übung sein, für eine Zeit lang nur einen Satz aus dem Glaubensbekenntnis pro Sonntag zu sprechen und darüber eine Weile nachzudenken.

Zum Beispiel über den Satz: „Ich glaube an Gott“. Das bedeutet, auf Englisch ausgedrückt: „God is real“ also, Gott ist eine Wirklichkeit mit der man rechnen kann. Anders gesagt: Da ist jemand in der unsichtbaren Welt der mich kennt, der mich sieht und der mich lieb hat.

Oder: „Ich glaube an Jesus Christus …“ Damit ist gemeint: Durch Jesus ist uns Gott ganz nah gekommen. Durch seine Worte wissen wir, was Gott uns zu sagen hat. An der Art, wie Jesus mit Menschen umgeht und wie er auf sie eingeht, können wir sehen, wie Gott mit uns umgeht.

Oder: „Ich glaube an den Heiligen Geist …“ Das bedeutet neben vielem anderen: Er gibt mir Kraft, wo ich mit meiner eigenen Kraft am Ende bin. Er tröstet mich, wenn ich traurig oder verzweifelt bin. Er will mich in seiner geliebten Welt mit meinen Gaben und Fähigkeiten gebrauchen.

3. Wie bekommt man den Schatz?
Mit dem Schatz des Glaubens ist es wie mit der Liebe zu einem anderen Menschen. Wenn man erst einmal fasziniert ist, kommt man nicht wieder davon los. An einem der Abende im Seminar hatte ich den englischen Journalisten Malcolm Muggeridge erwähnt. Er war ein zynischer Journalist und war zufrieden mit seinem Leben ohne Gott. Irgendwann hat er gespürt, dass Gott wirklich da ist. Dadurch hat sich seine Sicht auf das Leben völlig verändert. Für ihn wurde klar, dass er seine Beziehung zu Gott klären will, ja klären muss.
Bei manchen Menschen geht das ganz schnell. Andere brauchen viel Zeit und Ruhe dafür.

Heute hier im Gottesdienst im Gottesdienst gibt es drei konkrete Angebote, die Verbindung zu Gott neu oder zum ersten Mal aufzunehmen. Sie sind zum Abendmahl eingeladen. Daran wird deutlich: am Tisch von Jesus ist ein Platz nur für sie ganz persönlich reserviert. Außerdem liegen im Taufbecken kleine Kärtchen mit einem Bibelwort darauf. Sie können sich die Worte anschauen und den Vers mitnehmen, der sie am meisten anrührt. Sie dürfen ihn als ein persönliches Wort der Ermutigung von Gott für sich annehmen. Und sie können im hinteren Teil der Kirche mit einem anderen Menschen zusammen persönlich beten und sich segnen lassen. An einem der Abende haben wir ihnen ein Gebet genannt, mit dem man zum ersten Mal in seinem Leben das Gespräch mit Gott aufnehmen kann. Es lautet: „Ewiger Gott, durch Jesus weiß ich, dass ich dir wie einem guten Vater vertrauen darf. Darum beginne ich heute das Gespräch mit dir. Ich vertraue mich dir an. Nimm alles weg, was mich von dir trennt: meine Schuld und meine Zweifel. Schenk mir die Gewissheit, dass du mich hörst und verstehst. Lass unser Gespräch weitergehen – mein ganzes Leben lang. Amen.“ Sie können aber auch ein ganz anderes Gebet sprechen oder sich einfach nur segnen lassen.
Vielleicht haben Sie nach dem Seminar noch eine Reihe von ungeklärten Fragen Blick auf den Glauben. Dann kann es für sie eine Hilfe sein, über das Seminar hinaus mit einem Gesprächspartner im Austausch zu bleiben. Beim Kurs haben sie ja viele mögliche Gesprächspartner kennengelernt.