Impuls zum 3. Advent

Nachricht 13. Dezember 2020

Kennen Sie auch diese adventliche Unruhe, die sich alljährlich ausbreitet und sich im Backen und Basteln, im Dekorieren und Gemütlichkeit schaffen ausdrückt? Diese freudige Erwartung, dass bald Weihnachten wird? Dieses Jahr fühlt sie sich anders an diese Freude, irgendwie ernsthafter. Vielleicht, weil wir in diesem besonderen Jahr tiefer verstehen möchten, wer wir sind und wie wir zukünftig leben wollen…

 

Gebet

Advent – komm Gott,
ich brauche dich – hier und jetzt.
Mit leeren Händen stehe ich vor dir,
den Kopf voll unsortierter Gedanken.
Ich bitte dich:
schenk mir Zeit von deiner Zeit.
Da ist diese Kette von Tagen.
Kerze um Kerze zum Fest.
Komm und knüpf mich an
an das kleine Feuer der Freude.
Dass meine Gedanken heller werden
und meine Schritte sicherer
im vibrierenden Licht neuer Hoffnung.
Komm Gott, komm zu mir – jetzt. Amen.

(nach Annemarie Schnitt)

 

Benedictus - Lobgesang des Zacharias

Lukas 1, 68-79

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten:

dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund, an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,

dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.

Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest

und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,

durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,

auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

 

Impuls

Ich liebe die Adventszeit. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als den Heiligen Abend. Ich finde es herrlich, über den Weihnachtsmarkt zu schlendern. Genieße es, hier und da stehen zu bleiben. Freunde und Bekannte zu treffen und bei einem Glas Punsch so allmählich das ausgehende Jahr zu verabschieden.

Noch mehr liebe ich es, Tochter Zion zu singen. Spätestens am 2. Advent, dann aber aus voller Kehle. Das Größte für mich ist es, wenn es in der Adventszeit auch noch schneit. Dann geht mir das Herz auf und ich denke kurz: geht doch! Kinderwünsche können auch wahr werden, selbst wenn man schon lange erwachsen ist.

In diesem Jahr fühlt sich die Adventszeit anders an, sehr anders. Leiser, dunkler, ja, vielleicht ursprünglicher. Kinderwünsche und Romantik behalte ich verschämt für mich, sie sind nicht dran. Stattdessen bleibt die Situation kritisch. Die Intensivstationen füllen sich. Immer mehr Menschen werden krank und ja, viel zu viele Menschen sind gestorben in diesem Jahr an Covid 19. Das macht etwas mit uns. Das macht etwas mit mir. Ich werde stiller. Rituale werden wichtiger, die bei mir ein wenig in Vergessenheit geraten waren in den letzten Jahren. Die nicht durchdringen konnten durch all das Laute und manchmal auch Hektische und künstlich Fröhliche der Vorweihnachtszeit.

Die verordnete Stille dieser Tage lenkt meinen Blick aufs Wesentliche. Ich nehme mir bewusst Zeit, in Ruhe Weihnachtspost schreiben. Wechsle ein Wort mehr mit den Nachbarn, die ich länger nicht gesehen habe und rufe eben mal an, wenn mir eine Stimme aus der Familie ganz besonders fehlt oder ich weiß, jemand ist ganz allein zuhause.

Es tut mir gut im Moment, einfach mal nur dazusitzen bei Kerzenschein und in die Stille zu lauschen. Nicht nur ängstlich oder enttäuscht, über all das, was anders ist in diesem Jahr und fehlt, sondern auch erwartungsvoll. Voller Hoffnung darauf, dass mir aus der Stille etwas entgegenkommt. Und sei es nur die Ahnung: ich habe nicht alles in meinem Leben in der Hand. Aber ich bin gehalten. Und egal was wird, es wird Weihnachten werden – Gott wird da sein, mitten unter uns. Frieden wird er bringen für die Menschen in aller Welt. Und Frieden wird werden. Vielleicht nicht jetzt, nicht sofort, aber irgendwann. Voller Zuversicht hoffe ich darauf, weil ich spüre, dass da so ein weihnachtlicher Segensfaden gesponnen ist über die Jahrhunderte. Eine Spur, die Gott für uns gelegt hat durch die alten Geschichten hindurch bis in unsere Zeit. In Zacharias, in Johannes und Jesus, in Maria und Elisabeth. In all diesen biblischen Persönlichkeiten, die in diesen Tagen wieder für uns zum Leben erwachen. „Gelobt sei Gott“, so wird es uns am 3. Advent entgegenschallen. „Ein Sohn wird uns geboren“. Der Lobgesang des Zacharias gehört unbedingt dazu. Sein unbändiger Dank für Johannes, seinen neugeborenen Sohn, mit dem Gott das Leben von zwei alten Menschen völlig auf den Kopf stellt. Und diese tiefe Hoffnung, dass Gott alles neu machen kann. Bis heute wird dieser Lobgesang in vielen Klöstern von Brüdern und Schwestern am Morgen gebetet. Gen Osten, wo die Sonne aufgeht – jeden Morgen wieder, jeden Morgen neu, auf dass sich „unsere Füße ausrichten auf den Weg des Friedens“.

Gottes Spuren sind da. Wir finden sie in den Hirten und den Königen unserer Tage, in jedem göttlichen Kind, das hineingeboren wird in diese unbehauste Welt. Sie leuchten auf in dem Moment, in dem uns ein Kind in seiner ganzen Schutzlosigkeit anlächelt. Vielleicht müssen wir das Göttliche in diesem Jahr in der Adventszeit aufmerksamer suchen. Aber ich bin mir sicher, es wird da sein. Wir werden es spüren, wenn wir ihn liebevoll unter uns weiter verweben, diesen göttlichen Segensfaden durch die Jahrhunderte. Hell und heller wird es um uns werden und friedlicher, wenn wir uns anknüpfen, Kerze um Kerze an die Kette der Menschen, die mit uns unterwegs sind zum Fest. Darauf hoffe ich – in diesem Jahr ganz besonders. Amen.

 

Segen

Gott schütze dein Leben und bewahre deine Hoffnung.
Gott lasse sein Angesicht über dir leuchten,
dass du leuchtest für andere.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
und umhülle dich mit Frieden auf deinen Wegen.
So segne dich der barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Stephanie von Lingen
Entenmarkt 2
Northeim
Tel.: 05551 - 911637