Impuls zu Kantate, 10.06.2020

Veranstaltung 08. Mai 2020
Singen verbindet

Es gibt wohl nur wenige Dinge, die uns in unserem Leben so berühren und begleiten wie die Musik. Melodien und Lieder rühren die Tiefenschichten der Seele an, sie verleihen Höhen- und Glücksgefühle, können aber auch Trauer und Angst ausdrücken und verarbeiten. Musik kann trösten und Mut machen.„Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“, so Martin Luther.Der heutige Sonntag fordert uns dazu auf dies auszuprobieren: „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder“, so heißt esin Psalm 98, der diesem Sonntag seinen Namen gibt.Wo Gottes Name besungen wird, ist er gegenwärtig. Ob wir gemeinsam singen oder einfach für uns allein, ob leise oder laut, Gott ist da. Wenn wir ihm danken für ein Wunder, das wir erlebt haben, wenn wir ihm unsere Not klagen oder unsere Freude mitteilen, ist Gottnah.

 

Psalm 98

Mit den Worten dieses Psalms, laut oder leise gesprochen, können wir einstimmen in das Lob Gottes:

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen;vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

 

Lied: Dir, dir, o Höchster, will ich singen (Evangelisches Gesangbuch 328)

Dir, dir, o Höchster, will ich singen, denn wo ist doch ein solcher Gott wie du? Dir will ich meine Lieder bringen; ach gib mir deines Geistes Kraft dazu, dass ich es tu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist.

Zum Anhören und Mitsingen: https://youtu.be/eIVoVpZhXSM (Meike Davids und Benjamin Dippel, Posaunen)

 

Ganz anders als geplant

König Salomo hat ein rauschendes Fest in Jerusalem geplant. Endlich istder Tempel fertig, den schon sein Vater, König David, bauen wollte. Es sollte einen Ort geben, an dem sich Gott auch auf Erden in seiner Herrlichkeit zeigt. Dieser Tempel wurde als großes, herrliches und weithin sichtbares Gebäude gebaut. Nun kam der große Tag seiner Einweihung. Das ganze Volk versammelte sich zum Gottesdienst. Jeder wollte miterleben wie das ist, wenn Gott in sein Heiligtum einzieht. Und da kommt nun die Musik ins Spiel:

Und alle Leviten, die Sänger waren, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, diemit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhobund man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das HausGottes. (aus 2. Chronik 5)

Geheimnisvoll, fast magisch, erscheint die Erfahrung, die die Menschen machen im Tempel. Sie feiern, singen, musizieren und loben Gott. Doch plötzlich geht nichts mehr weiter.

Etwas hat das Gotteslob durchbrochen. Es war kein Virus, es waren keine staatlichen Verordnungen. Es war Gott selbst. Seine Herrlichkeithat sich breit gemacht in einer dichten Wolke.In dem Moment, als sie mit einer Stimme und im völligen Einklang derMusik Gott loben, ist Gott da. Aber scheinbar anders als gedacht. Alles war so prächtig gestaltet und vorbereitet – doch als Gott einzieht ist alles anders als erwartet.

Das ist die unerwartete Seite der Medaille: Wo Gott anwesend ist,müssen die Priester Pause machen. Sie können ihren Dienst nicht weiter tun, weil die Wolke, die Herrlichkeit Gottes, den Raum erfüllt.Da hört der religiöse Betrieb plötzlich auf. All die so gut geplanten Worte und Riten und Gesten finden keinen Platz. Gott kommt, durchbricht alle Planungen, und in der Erzählung aus dem Buch der Chronik klingt es so, als hätte das keiner ernsthaft erwartet.

Auch so viele unserer Planungen sind zurzeit durchkreuzt. Und niemand hatte im Vorfeld damit gerechnet. Dass Gott dahinter steckt, mag ich nicht glauben. Ich glaube, Gottes Kommen fühlt sich anders an als Angst vor Krankheit und ein reduziertes Leben. Für mich liegt die gute Nachricht in dieser Geschichte darin: Gott kommt.Einfach so. Ohne Festkleidung platzt er herein in eine lang geplante Feier. Unerwartet kommt er.In den Tempel damals. Zu uns heute.

Und vielleicht ist es kein Zufall, dass er zu einem Zeitpunkt kommt, als Trompeten blasen und Sänger singen, wenn Musik die Herzen weit öffnet. Wenn hinter Masken und hinter Bildschirmen, hinter all den vordergründigen Gedanken unser Inneres in das vielstimmige Lob Gottes einstimmt:Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig. Amen.

Der Körper singt mit

Gebet

Barmherziger und wunderbarer Gott, wir stehen vor Dir mit allem, das uns in unserem Leben bewegt, das unser Leben zum Klingen bringt. Du hörst uns. So bringen wir auch unsere Bitten vor dich:

Gott, wir bitten dich für alle Menschen, die kraftlos und traurig sind, denen nicht zum Singen und Loben zumute ist. Schenke ihnen Kraft und Zuversicht, dass sie die schöne Melodie deiner Verheißung wieder hören können.

Gott, wir bitten dich für die Menschen, die in unserer Welt den Ton angeben. Dass sie die Hilflosen nicht vergessen und dem Frieden in der Welt dienen.

Gott, wir danken dir für die Musik und für alle, die in unseren Kirchen Musik machen. Wir bitten dich für die, die das Musizieren mit anderen in dieser Zeit schmerzlich vermissen. Erhalte ihnen die Freude an Rhythmus und Tönen. Öffne unsere Ohren und Herzen für die Klänge, die von deiner Liebe und Macht Zeugnis geben.

Was uns darüber hinaus auf dem Herzen liegt, das legen wir in das Gebet, das Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel...

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Elisabeth Knötig