Impuls zum Trinitatisfest, 07.06.2020

Veranstaltung 05. Juni 2020
Die Dreifaltigkeitsikone, Andrei Rubljow, ca. 1411

Trinitatis - Fest des Geheimnis Gottes


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. 2. Korinther 13,13



Wir feiern das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit - Trinitatis. Wir beginnen nicht nur jeden Gottesdienst "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", unser ganzes Leben als Christen ist vielmehr mit diesen Worten verbunden, denn wir werden "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" getauft und am Ende unseres Lebens werden wir mit dem Valetsegen verabschiedet. Der eine - dreieinige - Gott erscheint uns Menschen beziehungsreich: im Vater, dem Ursprung der Schöpfung, in Jesus Christus, den Menschen gleich geworden und nahe gekommen und schließlich zu allen Zeiten im Leben der Menschen gegenwärtig durch den Heiligen Geist. Am Trinitatisfest versuchen wir diesem Geheimnis Gottes auf die Spur zu kommen. Und so feiern wir - im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Wir beten:

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, du bist bei uns. Umgib uns mit deiner Gegenwart, erfülle uns mit deiner Liebe und stärke uns mit deiner Kraft, dass wir leben und wirken können aus deiner Fülle. Du lebst und regierst - dreieinig - von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

 

Lesung aus 4. Mose 6, 22-27

Der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.


Schalom, liebe Gemeinde! Schalom, Friede sei mit euch, so lautet der alltägliche Gruß in Israel. Ein Segenswunsch mitten auf der Straße, wenn sich zwei Menschen begegnen. Nicht weniger steckt im süddeutschen Grüß Gott. Es ist ein verkürztes Gott grüße dich! Adieu heißt auf Deutsch Mit Gott. Und eingedeutscht wurde daraus ein Tschüß. Pfürti – heißt im Bayerischen der Abschiedsgruß: Behüt dich Gott. Ein Segen für den weiteren Weg. Ciao sagen Jugendliche und Italienreisende. Es ist eine Abkürzung für Christus Jesus A und O. Christus Jesus sei dir A und O, sei A und O dieser Welt. Und auf See heißt es Ahoi, was aus dem lateinischen ad honorem Jesu entstanden ist und zur Ehre Jesu heißt.
Segen über Segen. Unsere alltäglichen Grüße sind voller Segenswünsche. Segnende Grüße.

Segen tut gut, das wissen die allermeisten. Spricht mir ein Mensch einen Segen zu, dann meint er oder sie es gut mit mir. Und danach sehnen wir uns doch! Gerade auch in dieser ungewöhnlichen Zeit in der wir uns erst einmal zurechtfinden müssen, gerade in dieser Zeit des Abstandhaltens und der Kontakteinschränkungen spüren wir die Kraft der Worte. Es ist so schön, wenn mir jemand ein gutes Wort mitgibt, bevor wir unser Gespräch am Telefon beenden und wieder in unsere einsamer gewordenen Lebenswelten gehen. Schön, wenn sich jemand über die Begegnung mit mir - wenn auch auf Abstand - freut und mir beim Abschied Gutes wünscht, mir einen Segensgruß mitgibt. Schön, wenn ein Brief, eine Email, eine WhatsApp mit einem Segenswunsch endet.

Gute Wünsche tun so gut. Ich spüre darin das Herz des anderen - und schon ist der Wunsch mehr als ein bloßes Wort. Schon fängt das Gute in diesen Worten an zu wirken. Es gewinnt Realität in meinem Leben. Ich spüre: Ich habe mehr Energie als vorher. Da wirkt etwas. "An Gottes Segen ist alles gelegen." So sagte meine Oma und sie stickte es auch in Bilder, die heute - 100 Jahre später - bei mir im Pfarrhaus hängen.

Der Herr segne dich! Wenn diese Worte über einem Menschen gesprochen werden, wirkt Gott. Gott und Mensch werden mit diesen Worten in Beziehung gesetzt. Die Erzähler der alten Überlieferung im 4. Buch Mose wissen, dass Gott segnen will und dass er im Segen mit den Menschen verbunden sein will. Segen schafft Wirk-lichkeiten. Hand-signiert soll unser Leben sein. Das Wort Segnen kommt von dem lateinischen Wort "signare". "Mit einem Zeichen versehen" - Gott signiert mit seinem Namen; er setzt seine Unterschrift zu unserem Leben: "Karin, wir sind miteinander verbunden, ich gehöre zu dir und du gehörst zu mir."

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne -heißt es in Vers 27. Dreimal wird der Name Gottes im "Aaronitischen Segen" - wie wir diese Worte aus dem 4. Mosebuch heute nennen - über uns Menschen ausgerufen. Jeder Segenswunsch fängt mit Gottes Namen an - der Herr. Jeden Segenswunsch verbürgt Gott mit seinem Namen.

Der Herr segne dich und behüte dich. Gott gibt Brief und Siegel auf die Beziehung zu uns. Und er verheißt, uns zu behüten. Seit Jahrhunderten haben Menschen diese Erfahrung mit Gott gemacht und viele von uns könnten aufstehen und erzählen, wo sie behütet wurden. Die Ältere würden Ereignisse aus dem Krieg berichten, und andere würden mitteilen, wie sie vor falschen Entscheidungen bewahrt worden sind. Wieder andere würden Erlebnisse aus dem Alltag erzählen. Und vermutlich gibt es auch jemanden der den Kopf senkt oder innerlich die Fäuste ballt: "Mich aber hat er nicht behütet. Was soll dieses ganze Gerede vom Segen. Das wirkliche Leben sieht doch anders aus." Der Segen wird durchkreuzt.

Ja - der Segen wird durchkreuzt. Sonntag für Sonntag - geschieht das tausendfach. Auch heute, wenn ich am Ende des Gottesdienstes den Segen spreche, wird er durchkreuzt. Zuerst erhebe ich die Arme und zeige meine leeren Hände - die sagen: Ich habe euch nichts zu geben. Es sind aber auch der Gemeinde zugewandte Hände. Zugewandte Hände für die zugewandte Seite Gottes -die sagen: Der Segen kommt allein von Gott. Die Kraft des Segens liegt einzig und allein in Gott selbst.

Und dann der senkrechte und der waagrechte Balken des Kreuzes. + Mitten im Segen taucht das Kreuz auf. Wann und wo immer wir gesegnet werden, werden wir mit dem Zeichen des Kreuzes signiert. Nicht nur der behütende Vater, sondern auch der leidende Sohn steht vor unseren Augen.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Das Angesicht ist immer die Seite, mit der sich einer dem anderen zuwendet. Gott wendet sich uns zu. Am klarsten mit der Geburt seines Sohnes. Er wird einer von uns und er weicht keiner Dunkelheit des menschlichen Lebens aus. Seine Beziehung zu uns steht und sie hält.

Jesus bürgt dafür - am Kreuz. Gott lässt sein Angesicht im mit leidenden Christus ganz hell leuchten über uns - und ist uns gnädig. Segen auch da, wo er durchkreuzt scheint.
Zuerst Behütung, dann Gnade und als Drittes: Frieden.

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.
Drei Gaben, für die dreimal der Name Gottes ausgerufen wird. Als dieser Segen im 4. Buch Mose aufgeschrieben wurde, hat noch kein Mensch an die Dreieinigkeit Gottes gedacht. Noch keiner sprach von Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Und doch setzt der Aaronitische Segen dreimal an. Dreimal ruft er den Namen Gottes über dem Menschen aus, als würde es nicht genügen, wenn der Name Gottes nur einmal genannt würde. Es ist, als wüssten die, die im Namen des Herrn segnen, von Anfang an, dass Gott mit einer Aussage oder mit einem Bild nie umfassend ausgesagt werden könnte. Dreimal setzen sie an, um drei Weisen zu nennen, in denen er uns begegnet. Stets der gleiche und einzige Gott, unbeschreibbar, aber wie die Christinnen und Christen dann 1400 Jahre später im 4. Jahrhundert nach Christus für sich klären werden: für uns als der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Dreifaltig für uns, um ganz mit uns eins zu werden.
's Gott - mehr bleibt von dem Gott grüße dich auf der Straße oft nicht übrig. Auch der hebräische Gruß Schalom trägt nur das letzte Wort dieses biblischen Segens in den Alltag hinein: Friede! Beiläufig, im Vorbeilaufen geben wir den Segen weiter. Beiläufig legen wir den Namen Gottes auf unser Gegenüber und tragen den Segen hinein in das Volk und in das Land, auf dem wir stehen. Zu banal? Zu gedankenlos? Sicher, aber das muss es doch nicht sein. Schon gar nicht, wenn mein Gegenüber in dem, was ich sage und tue, einen Gruß aus Gottes Welt erfährt. Wenn mit den Segensworten im Namen des Herrn Himmel und Erde, Gott und Mensch, Gottes Reich und Erdreich; das Land, auf dem du stehst, und das Land, in das du gehst - verbunden werden.

Und der Schalom Gottes, der höher und segensreicher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne durch jedes Grüß Gott, Behüt dich Gott und Der Herr segne dich in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.


Fürbitte

Behütender, gnädiger und Frieden schaffender Gott,
wir suchen deinen Segen für uns und für diese Erde.
Wir bitten für alle, die anderen zum Segen werden wollen,
für deine ganze Kirche, die einzelnen Gemeinden, die verschiedenen Dienste und für alle, die darin mitarbeiten.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Wir bitten für alle, denen in Politik oder Wirtschaft ein Amt anvertraut wurde, dass sie - ob sie es wissen oder nicht - anderen zum Segen werden - gerade auch in dieser Zeit der Pandemie.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Insbesondere bitten wir für alle, die sich um das Ende von Kriegen bemühen.
Wirke ein Schweigen der Waffen und einen dauerhaften Frieden.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Wir bitten für alle, deren Lebenspläne durchkreuzt wurden,
für alle, die krank oder vom Leben geschlagen sind,
dass ihnen dein Angesicht leuchte in dieser Dunkelheit,
dass Menschen ihr Angesicht auf sie erheben und sie begleiten.
Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Herr, wir lassen dich nicht, du segnest uns denn.
So bringen wir in der Stille vor dich,
für wen wir im Besonderen Segen erbitten.

- Stille -

Herr, erhebe dein Angesicht auf sie.
Du schenkst uns deinen Segen. Du machst uns selbst zu einem Segen.
Dir sei Dank in Ewigkeit.

Vater unser im Himmel....

Amen

Karin Gehrken-Heise