Der Herr sieht das Herz an

Konfirmationspredigt über 1. Sam. 16,7 am 28.4.2019 in Langenholtensen

 

Ich muss hier mal gerade was nachgucken:

konfispruch.de - In 3 Schritten zum passenden Bibelvers.

Praktisch. Habt ihr das so gemacht?

Screenshot der Seite konfispruch.de
  • Schritt 1: Wähle aus zwölf Möglichkeiten das Thema, das am ehesten deinem Lebensgefühl entspricht. Ist es Freundschaft, Glaube oder Frieden? Triff eine Entscheidung!
  • Schritt 2: In welchen Momenten soll der Spruch für dich wichtig sein? Soll er dich trösten oder motivieren, oder dich an Gott erinnern? Klicke es an!
  • Schritt 3: Aus Deinen Entscheidungen in Schritt 1 und 2 wird eine Liste von Konfisprüchen erstellt. Hast Du deinen Spruch gefunden, kannst Du ihn ausdrucken, an Freunde mailen oder auf facebook und twitter teilen.

Dein Spruch ist noch nicht dabei? Dann wiederhole Schritt 1 und 2.

Hm, jetzt will ich doch mal wissen, welche Sprüche am beliebtesten sind. Steht das auch irgendwo? Hier: Die 10 beliebtesten Bibelverse.

Platz 1: Psalm 23,6: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. – Hat keiner von unseren Konfis.

Platz 4: 1. Johannes 4,16 Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Den hat Sara.

Oooops, was ploppt denn da auf? Brandneue Anti-aging Creme. Wissenschaftlich getestet. Woher wissen die.... Mit Hy-a-lu-ron-säure. Säure fürs Gesicht? Na, ich weiß ja nicht. Aber hier: Nach 10 Tagen faltenfrei. Wow, sollte ich vielleicht doch....

WhatsApp-Ton. Oh, eine WhatsApp vom Kirchenvorstandsvorsitzenden: "Lui, fang endlich an zu predigen!"

Stimmt, da war doch was. Wo war ich stehengeblieben? Die beliebtesten Konfisprüche. Platz 10 ist noch interessant:

Platz 10: 1. Samuel 16,7: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Volltreffer. Denn bei unseren 10 Konfis stand dieser Spruch definitiv an erster Stelle: Vier von 10 Konfis wollten den haben. Nun, einer hat dann noch eine Alternative gefunden. Sodass Sie nachher nur 3x den gleichen Spruch hören mussten.

Aber das Thema meiner Predigt, das stand ja damit fest:

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Großeltern, Paten und Freunde, liebe Gemeinde,

ich bin beeindruckt, dass ihr diesen Spruch so cool findet. In einer Zeit, in der Menschen sich auf Instagram präsentieren, ihr Geld als Blogger verdienen, Firmen Influencer einsetzen, die Trends setzen sollen. Alles sehr äußerlich, eine Schein-Welt. Heidi Klum präsentiert sich mit ihrem neuen Verlobten mit Kaffeetasse im Bett. Jennifer Lopez zeigt sich ungeschminkt. Das ist so eine Pseudo-Realität, eine Pseudo-Ehrlichkeit, in Wirklichkeit ganz schön manipulativ und bewusst gesteuert.

Ich bin beeindruckt von eurer Wahl dieses Spruches, denn es zeigt, dass ihr das irgendwie durchschaut: Alles nur äußerlich, nur was vor Augen ist. Menschen vermarkten sich und zählen ihre Likes. - Der Herr aber sieht das Herz an.

Ich muss euch mal eben die Geschichte erzählen, die zu dem Spruch gehört. Sie steht im Alten Testament. Samuel, ein Bote Gottes, bekommt eines Tages von Gott den Auftrag einen neuen König für Israel zu salben. Salben bedeutete: Du bist von Gott für diesen Auftrag bestimmt. Man benutzte dafür ein spezielles mit vielen Kräutern angesetztes stark duftendes Öl, das über die Haare und die Kleidung des Auserwählten gegossen wurde. Der starke Geruch dieses Öls hielt wochenlang und erinnerte den Gesalbten daran, dass Gott ihn für diese Aufgabe berufen hatte.

Nun, ein neuer König für Israel sollte gesalbt werden, und zwar sollte es einer von den 8 Söhnen eines Mannes namens Isai sein. Das hatte Gott Samuel gesagt. Man konnte sich also um diesen Job nicht bewerben und zu einem Casting gehen, oder sich erst mal parteipolitisch hocharbeiten. Mit Gottes Hilfe sollte Samuel den König Israels aussuchen. Man hat ja ein bestimmtes Bild im Kopf, wie man sich einen König vorstellt: Gut aussehend, vertrauenerweckend, führungsstark. Samuel entdeckt seinen Favoriten sofort: Der älteste Sohn, ein stattlicher Kerl, als Ältester daran gewöhnt den Ton anzugeben, eine Führungskraft mit gewinnender Ausstrahlung. 5 von euch Konfis sind älteste oder einzige Kinder. Es gibt ja Bücher und Studien über die Reihenfolge der Geschwister und wie sich das auf den Charakter auswirkt. Also, demnach ist ersten oder einzigen Kindern ein Führungsposten sozusagen in die Wiege gelegt. Beim ersten Kind, da wollen die Eltern alles richtig machen, sind strenger in der Erziehung, geben sich besonders viel Mühe. Als Einzige oder als Ältester, wenn man noch kleine Geschwister hat, da ist man gewohnt Verantwortung zu übernehmen, zu bestimmen, zu sagen, wo es langgeht, auf die Kleineren aufzupassen. - So dachte auch Samuel: Der Älteste, der ist bestimmt geeignet als König. Aber Gott machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Gott sagt: „Sieh nicht sein Aussehen an und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn der Herr sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, aber der Herr sieht das Herz an.“ Tja, Fehlanzeige. Du beurteilst Menschen zu oberflächlich, Samuel. Aussehen, Stärke, Coolness? Vergiss es. Das zählt bei Gott nicht. - Wovon lasst ihr euch leiten, z. B. wenn ihr einen Klassensprecher wählt? Geht ihr da vielleicht manchmal auch zu sehr nach dem äußeren Anschein? Und Sie, liebe Erwachsene, wovon lassen Sie sich leiten bei den kommenden Europawahlen? Sind es Gottes Kriterien?

Zurück zu Samuel. Weitere 6 Söhne lässt Vater Isai aufmarschieren. Alles mittlere Kinder. Einer von euch Konfis ist mittleres Kind, und denen sagt man einen besonderen Gerechtigkeitssinn und diplomatische Fähigkeiten nach. Denn sie müssen immer vermitteln, nach oben und nach unten. Auch das gute Eigenschaften für eine Führungskraft. Aber auch bei den 6 Mittleren muss Samuel den Kopf schütteln. Nein, der ist es auch nicht. Keiner von diesen sieben. „Sind das alle deine Söhne?“ fragt Samuel ratlos. Nein, stellt sich schließlich heraus, einer ist noch übrig, David, der kleinste, aber den nimmt doch keiner für voll. 4 von euch Konfis sind jüngste Kinder, da sind die Eltern manchmal nachsichtiger, lockerer, lassen mehr durchgehen. Und deswegen sind die oft unbeschwerter, aber auch eigensinniger. Als jüngster von 8 hatte David immer ein bisschen Narrenfreiheit, da waren die Eltern nicht mehr so streng. Sicher, er ist tapfer, wenn es darum geht die Schafherde zu beschützen, aber ansonsten ist er ein bisschen verträumt, spielt immer auf seiner Harfe. Viele jüngste Kinder sind übrigens musisch begabt, unter bekannten Künstlern sind viele die jüngsten unter ihren Geschwistern gewesen. David, der Kleinste, der und König, also das ist doch wohl ein paar Nummern zu groß. Aber Gott sagte zu Samuel: „Auf, salbe ihn, denn der ist es.“

Später erfahren wir, was David in Gottes Augen vor seinen Brüdern auszeichnet: sein Gottvertrauen. Z.B. in der bekannten Geschichte von David und dem Riesen Goliath. Die Israeliten befanden sich im Krieg mit ihrem Nachbarvolk, den Philistern. Davids drei älteste Brüder gehörten zu den israelischen Soldaten. Tag für Tag muss das israelische Heer sich anhören, wie dieser bärenstarke, bis an die Zähne bewaffnete Riese Goliath sie mit dröhnender Stimme zum Zweikampf herausfordert. Er verspottet sie und verhöhnt ihren Gott. „Euer Gott ist Mist“, schreit er, „ein Schwächling genau wie ihr!“ Keiner der Israeliten traut sich es mit Goliath aufzunehmen. Eines Tages besucht David seine Brüder und bekommt den Auftritt Goliaths mit. Schockiert erlebt er, wie alle israelischen Soldaten vor Angst schlottern. So eine Blamage. Schließlich sagt er: „Na gut, dann kämpfe ich eben gegen Goliath.“ „Um Gottes willen,“ sagt der König, „du bist viel zu jung, und Goliath ist nicht nur doppelt so groß und so stark wie du, er ist auch ein erfahrener Soldat, der hat alle Tricks drauf.“ Da sagt David: „Er hat Gott verspottet. Ich habe Gottes Hilfe schon oft in meinem Leben erlebt, und Gott wird mir auch helfen im Kampf gegen diesen Goliath.“

Ihr wisst, wie die Geschichte ausgeht: Ohne Helm und Rüstung, nur mit einer einfachen Steinschleuder bewaffnet, tritt David dem schwer bewaffneten Goliath gegenüber. Goliath ist empört, dass ihm ein so lächerlicher Gegner präsentiert wird, und flucht und lästert Gott. David aber sagt: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des Herrn, unsres Gottes.“ Und er nimmt einen Stein und schleudert ihn mit seiner Steinschleuder Goliath an die Schläfe. Der Riese fällt, bewusstlos, besiegt.

Was also David von seinen Brüdern unterscheidet, ist nicht, dass er ein besserer Mensch als diese wäre, sondern dass er sich auf Gott verlässt! Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber der Herr sieht das Herz an. Er sieht, ob ein Herz sich verzweifelt nach seiner Hilfe sehnt und betet: Gott, zeig mir einen Weg aus meiner schlimmen Lage und gib mir die Kraft ihn auch zu gehen. Oder ob ein Herz sich nach Glauben sehnt und ihn bittet: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. Gott kommt es darauf an, ob wir mit dem Herzen dabei sind.

Der Journalist Tillmann Prüfer ist Style-Direktor des Zeit Magazins. U.a. schreibt er dort auch regelmäßige Kolumnen über seine 4 Töchter. Tillmann Prüfer führte ein kirchenfernes Leben ohne Gott und Glauben. Doch dann starb einer seiner besten Freunde innerhalb weniger Monate an einem Gehirntumor. Das brachte ihn total ins Schleudern. Was ist der Sinn des Lebens? Was kommt nach dem Tod? Diese Fragen trieben ihn um. Und so fing er an Gott zu suchen. Er ging in die nächstbeste Kirche gleich bei sich um die Ecke, in Berlin Kreuzberg. Eine Handvoll Leute saßen vereinzelt auf Stühlen in einem riesigen Kirchenraum. Der Ablauf des Gottesdienstes war ihm fremd. Aber ein Lied kannte er: Lobe den Herren. Das war das Lieblingslied seines Großvaters gewesen. Das letzte Mal hatte er es bei dessen Beerdigung gesungen. Und nun brachte ihn dieses Lied völlig aus der Fassung. Er sagt: „Für mich handelte das Lied vom Tod und von der Sehnsucht nach Ewigkeit, von der Liebe der Menschen zueinander und einer Liebe, die die Welt beherrscht.“ Er war so berührt, dass ihm die Tränen kamen.

Nach dem Gottesdienstbesuch fühlt sich Tillmann Prüfer seltsam beschwingt. „Die Dinge in mir waren geerdet“, sagt er. „Als ob nach langer Zeit wieder etwas in mir zusammengefunden hatte. – Ich ahnte nicht, dass das nur der Anfang eines sehr viel größeren Abenteuers werden sollte.“

„Weiß der Himmel?“ heißt das Buch, das Tillmann Prüfer über seine Gottsuche geschrieben hat, Untertitel: „Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß.“  Heute findet er Beten sehr tröstlich. Er sagt: „Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen. Für Gott, aber auch für das, worum man bittet. Ich selbst mache das inzwischen regelmäßig, meist stehe ich dafür morgens etwas eher auf als der Rest der Familie. Der Glaube ist für mich ein konkreter Kompass für das Leben: Was mache ich und was mache ich nicht und warum?“

Inzwischen geht er regelmäßig in seine Thomas-Kirchengemeinde und wurde auch gleich zur Mitarbeit gewonnen – beim Gemeindebrief.

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. Er sieht, wenn ein Herz traurig ist, unruhig und voller Fragen. Wenn ein Herz offen ist für ihn. Und sich nach Antworten, nach Trost, nach seiner Nähe sehnt. Das ist es, worauf es Gott ankommt.

Ich komme am Schluss noch mal aufs Handy bzw Smartphone zurück. Ab heute brauchst du konfi.web oder konfispruch.de nicht mehr, stattdessen gibt eine Menge andere nützliche Sachen für das Leben als Christ.
Z. B. Bibel-Apps. Über bible.com etwa kannst du dir die Bibel kostenlos auf Smartphone und Tablet herunterladen, und auch den Vers des Tages abonnieren. Die App kann Lesepläne und den Tagesvers automatisiert anzeigen. Du kannst persönliche Gedanken über Lesezeichen und Notizen festhalten und auch mit anderen über Social Media teilen.

Du kannst auch die Herrenhuter Tageslosung bestellen, da gibt es auch eine spezielle Jugendlosung: https://www.losungen.de/die-losungen/

Es ist eine gute Sache sich am Tag eine kleine Auszeit zu nehmen für Gottes Wort. Das erlebt Tilman Prüfer, und das hilft auch dir dich daran zu orientieren, was Gott möchte. Was für dich heute dran ist. Lass dich da nicht rausbringen durch die Werbung, die ständig aufploppt und auf dich zugeschnitten scheint, oder durch irgendwelche hirnlosen whatsapp chats oder Filmchen, wie man sich am coolsten stylt. Du weißt, Gott sieht das Herz an. Lass sein Wort wirken in deinem Herzen. So bleibst du mit Gott in Kontakt und dein Glaube wächst.

Um das Handy zu nutzen, brauchst du natürlich Empfang. Das ist das Gebet. Manchmal ist die Verbindung perfekt, manchmal schwankend. Man sieht das an den Balken. Im Tunnel gibt es oft gar keine. Dann probierst du es wieder, wenn du aus dem Tunnel raus bis. So ist das auch beim Beten. Manchmal hast du das Gefühl: Ich habe den direkten Draht zu Gott. Und das Gebet hilft auch sofort. Aber manchmal denkst du: Die Verbindung ist schlecht. Ja, das kann passieren, auch beim Beten. Dann probier es später noch mal. Das machst du beim Handy ja auch.

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber der Herr sieht das Herz an. Gott interessiert es nicht, ob du stylish und cool rüberkommst. Ihm kommt es darauf an, ob du mit dem Herzen dabei bist.

Amen

 

Luitgardis Parasie