Das ultimative Schnäppchen finden

Mit einer neuen Strophe von Ilja Kuschke zum Lied „Danke für diesen guten Morgen“ haben wir - zusammen mit Ortsbürgermeisterin Reta Fromme und dem Initiator und Organisator Thilo Schulz - den Flohmarkt mit einem Gottesdienst eröffnet. 

Danke für diesen schönen Flohmarkt!
Danke für jede Schnäppchenjagd
Danke, dass heute irgendjemand
meinen Trödel mag.

Predigt zum Dorfflohmarkt über Lukas 9,3 am 26.05.2019 in Langenholtensen

Die Bank Credit Suissse hat im November 2017 das mittlere Pro-Kopf Vermögen in 183 Ländern ermittelt. Dabei werden finanzielle sowie materielle Aktiva wie Immobilien, Börsenanteile und Bankguthaben abzüglich von Schulden herangezogen und durch die Anzahl der erwachsenen Personen in einem Land geteilt.

Mittleres pro-Kopf Vermögen 2017, angegeben in US-Dollar, ermittelt in 183 Ländern.

  • An 1. Stelle Island: 587 649 Dollar
  • gefolgt von der Schweiz mit 537 599 Dollar
  • Deutschland an 20. Stelle: 203 946 Dollar
  • An 171. Stelle Tansania mit 858 Dollar
  • An letzter, 183. Stelle Malawi mit 114 Dollar

 

Liebe Gemeinde,

Dorfflohmarkt – was für eine wunderbare Idee. 170 Stände im ganzen Dorf verteilt, eine grandiose open-air Party am heutigen Sonntag der Europawahl. Dorfflohmarkt – man verkauft Dinge, die man nicht mehr braucht. Eine sehr nachhaltige Idee zudem: Man schmeißt die Sachen nicht einfach weg, man gibt sie jemand, der sie benutzen kann. Meine Tochter aus Hamburg kam neulich mit einer großen Tasche voller Sandspielzeug zu uns – hatte sie auf dem Flohmarkt gekauft, für unsere Enkelinnen. Warum sollte man dies ganze Plastikzeug neu kaufen, wie unökologisch.

Dorfflohmarkt - das Haus entrümpeln, Dinge weggeben, die noch gut sind, die man aber selber nicht mehr braucht. Wann hast du das schon mal erlebt, dass du materielle Dinge weggegeben hast, und du fühltest dich befreit? Wir haben darüber neulich im Kirchenvorstand gesprochen, und da sagte einer: Im Urlaub. Einfach auf dem Balkon sitzen und aufs Meer sehen. Stundenlang. Kein Handy. Keinen fetten Koffer, nur kurze Hose und T-shirt. Das Herz wird weit, die Seele kommt zur Ruhe.

Materielle Güter, liebe Freunde, das wissen wir doch alle, die binden ganz viele Gedanken, Sorgen, machen jede Menge Arbeit. Es ist schwer den Kopf frei zu bekommen, wenn die Heizung kaputt ist, das Auto einen Getriebeschaden hat, du tagelang überlegst, was von deinen vielen Klamotten du zur nächsten Party anziehen sollst.

Wie wir aus der Statistik am Anfang gesehen haben, verfügen wir in Deutschland über irre viele Güter – die 20st meisten der Welt. Unser Kopf ist voll damit sie zu verwalten.

Im 19. Jahrhundert lebte in Polen ein bekannter jüdischer Rabbi.
Zu ihm kam eines Tages ein Besucher, um einen Rat von ihm zu erbitten. Der Mann sah, dass die Wohnung des Rabbi aus einem winzigen Zimmer bestand. Nur eine Bank, ein Tisch mit Stuhl und viele Bücher befanden sich darin. Verwundert fragte er den Rabbi: „Meister, wo haben Sie Ihre Möbel und den Hausrat?“

„Wo haben Sie Ihre?“ erwiderte der Rabbi. „Meine?“ fragte der verblüffte Fremde, „ich bin doch zu Besuch hier. Ich bin doch nur auf der Durchreise.“ – „Ich auch!“ sagte der Rabbi.

Auf der Durchreise. Unser irdisches Leben ist nur eine Zwischenstation. Darum empfiehlt Jesus sein Herz nicht an materielle Dinge zu hängen. Sondern mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Wer heute einen Flohmarktstand hat, geht einen Schritt in diese Richtung. Noch viel radikaler ist Jesus, als er seine Jünger losschickt. Sie sollen in den umliegenden Dörfern von Gott erzählen, Kranke heilen, böse Geister austreiben. Und für diese wichtige Aufgabe sollen sie überhaupt nichts mitnehmen.

Wir hören das aus der Bibel, Lukas 9, 1-6

Die Jünger sollen kein Gepäck mitnehmen! Kein Proviant, kein Geld, keine zusätzlichen Klamotten. Kein Handy und keine EC-Karte. Sie sollen sich um Materielles überhaupt keine Sorgen machen und darauf vertrauen, dass Gott sie versorgt. Dass Menschen sie aufnehmen, denen sie geholfen haben. Die Aufgabe anderen von Gott zu erzählen ist so wichtig, dass keine Sorge um materielle Dinge ihren Kopf blockieren soll.

Wohlgemerkt, es handelt sich hier um einen begrenzten Auftrag von ein paar Wochen. Jesus redet hier nicht davon, dass alle seine Nachfolger für immer auf alles Materielle verzichten und ein asketisches Leben führen sollen. Aber wenn du eine wichtige Aufgabe vor dir hast, oder wenn du in einer Krise steckst, dann ist es gut den Kopf frei zu bekommen. Darum gehen Menschen manchmal ins Kloster. Machen Kloster auf Zeit – das boomt momentan geradezu.

Eine Freundin wollte nach dem Tod ihres Mannes auf dem Jakobsweg pilgern.

Sechs Monate nach der Beerdigung nahm sie Urlaub und flog nach Bilbao. Von dort ging es noch eine Strecke mit dem Zug, bis sie in Logrono ihren Pilgerweg begann. Sie lief los, mit viel zu viel Gepäck. Nach drei Tagen schickte sie ein Riesenpaket mit unnötigem Ballast nach Hause. „Das waren nicht nur die Kilos, die ich weniger schleppen musste. Es war für mich symbolisch für den Ballast, den ich noch mit mir rumschleppte und jetzt los geworden war“, sagt sie. Sie fühlte sich viel unbeschwerter, körperlich und seelisch.

In den Pilgerherbergen suchte sie immer zuerst die Kapelle auf und saß dort lange in der Bank. Sie war eigentlich nicht besonders religiös. Aber nun dachte sie neu über Gott und den Glauben nach. Wenn sie die Kapelle verließ, fühlte sie sich gestärkt. Sie war überzeugt, dass Gott ihr dort begegnete und sie tröstete.

Mehrere Jahre lang hat sie danach jeden Sommer eine Pilgerherberge mit einer alten Kapelle geleitet. Es ist eine der vielen Stationen auf dem Jakobsweg. Abends ließ sie die Glocken läuten. Dann hielt sie eine Andacht für die Wanderer aus allen Nationen und Religionen. Am Schluss segnete sie die Pilger, und manchmal setzte sie sich zu einem auf die Bank, wenn sie den Eindruck hatte, dass er Kummer mit sich trug. „Mitunter kam es zu einem guten Gespräch“, sagt sie. „Dann hatte ich das Gefühl etwas von dem Trost weitergeben zu können, den ich vor Jahren dort selber bekommen habe.“

Materielles loslassen, sein Gepäck verkleinern, das ist ja kein Selbstzweck. Es geht darum etwas viel Besseres zu gewinnen. Das erläutert Jesus in Matthäus 6:

Matthäus 6

19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.  

20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.  

21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Schätze im Himmel! Es geht darum den ultimativen Schatz zu bekommen. Der nicht geklaut und nicht zerstört werden kann und nicht abbrennt. Es ist wunderbar heute auf dem Flohmarkt zu stöbern, und was für eine Freude, wenn man da ein tolles Schnäppchen oder ein ganz besonderes Fundstück entdeckt. Das ist wie Schatzsuche. Und dass dieser Schatz herumwandert und nicht gehortet wird, ist toll. Denn die Gefahr bei irdischen Schätzen ist, dass sie sich einnisten in unseren Häusern und Herzen. Dass sie unser Herz besetzen. Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz, sagt Jesus. Wo ist dein Herz? Woran hängt es? Wo hängt es fest?

Jesus sagt: Sammelt euch Schätze im Himmel. Ich finde es ja erst mal sehr ermutigend, dass das überhaupt geht: sich Schätze im Himmel sammeln. Stell dir vor, du hast im Himmel so ein Guthaben, da kannst du nach und nach drauf einzahlen, und das wird durch keine Wirtschaftskrise erschüttert und durch keine sinkenden Börsenkurse entwertet. Wenn ich im Himmel ankomme, kann ich von diesem Guthaben abheben und damit überleben.

Ich stelle mir das vor wie bei einer Stiftung – also zu der Zeit, als die Zinssätze noch höher waren. Wenn einer über seinen Tod hinaus für einen guten Zweck was tun möchte, dann legt er eine Stiftung an. Die Bingo-Lotto-Stiftung hat uns beispielsweise geholfen die Reise der 7 Lehrer aus Tansania zu finanzieren, die nächste Woche hier ankommen. Das Geld der Stiftung selbst darf nicht angetastet werden, es kann durch Zustiftungen und Spenden vermehrt werden, aber es wird nicht ausgegeben. Doch die Zinsen dürfen jedes Jahr genutzt werden um sinnvolle Aktionen zu unterstützen.

Gott hat für dich eine Stiftung im Himmel angelegt. Ihr Name ist Jesus Christus. Jesus ist dein Guthaben, das du im Himmel hast. Es gehört dir, Gott hat es dir geschenkt. Du kannst jetzt schon die Zinsen abheben. Vergebung deiner Schuld. Trost, wenn du traurig bist. Inneren Frieden. Die Nähe von Jesus und sein Versprechen, bei dir zu sein bis an der Welt Ende. Ewiges Leben bei Gott. Das ist dein Schatz im Himmel. Das ultimative Schnäppchen, denn er ist umsonst. Und ist doch das Kostbarste und Beste, was du heute bekommen kannst.

Wenn du bei einer Stiftung die Zinsen abheben willst, musst du mit der Bank Kontakt aufnehmen. Wenn du von Gottes Stiftung die Zinsen nutzen willst, musst du mit Jesus Kontakt aufnehmen. Mit ihm reden, ihm sagen, was dich bewegt, was du brauchst, was dich belastet und dir Sorgen macht. Und du wirst merken: Das zahlt sich aus.

Vielleicht hast du lange keinen Kontakt zu Gott gehabt. Hast die Zinsen, die für dich ausgezahlt werden können, nicht genutzt. Vielleicht stehst du auch schon lange im Kontakt mit Gott. Ob nun schon vertraut oder auch zum ersten Mal, ich lade dich ein, jetzt mit Gott zu sprechen. Wenn du möchtest, kannst du das folgende Gebet mitsprechen, das wir jetzt am Beamer sehen. Lest es euch erst mal in Ruhe durch, und wer will, kann es dann mit mir zusammen sprechen, laut oder auch leise für sich.

„Herr Jesus Christus, ich komme jetzt zu Dir. Sei Du mein Herr und Gott für Zeit und Ewigkeit. Danke, dass du für meine Schuld am Kreuz bezahlt hast und mir vergibst. Danke, dass ich durch dich einen Schatz im Himmel habe. Erfülle mein Herz mit Deinen guten Gedanken und hilf mir, danach zu leben. Ich bitte Dich, Jesus, sei mein Freund. Hilf mir den Kontakt zu dir zu halten und leite mich auf ewigem Wege. Amen.”

Luitgardis Parasie